Katharina Hohmann: Inventur

"Etat des effets mobiliers provenant du Couvent des Dominicains à Osnabrük.", Niedersächsisches Landesarchiv - Standort Osnabrück, Rep 240 Nr. 177, Bd. 1, 1810. Foto: Niedersächsisches Landesarchiv. Grafik: Carsten Wittig.

 

Eröffnung: 10. Februar 2019 | 14 Uhr

Ausstellung: 10. Ferbuar - 7. April 2019

 

Über ein Jahr verbrachte Katharina Hohmann damit, die historischen Schichten des ehemaligen Dominikanerklosters, welches heute die Kunsthalle Osnabrück beherbergt, nach und nach freizulegen, um eine Ausstellung  zu entwickeln, die diese begeh- und erlebbar macht. Die vielfältigen historischen Veränderungen des Ortes dienen der Künstlerin als Inspirationsquelle für ihre zeitgenössische künstlerische Umsetzung mit unterschiedlichen Medien.

Katharina Hohmann verwandelt die Kunsthalle Osnabrück für den Zeitraum der Ausstellung grundlegend. Das beginnt bereits mit der Verlegung des Eingangs auf das vermutlich ehemals als Haupteingang genutzte Portal. Es wird von einem Gerüst umgeben, das Irritationen hervorruft: Wird hier umgebaut? Ist wegen Inventur geschlossen? Was geschieht hier? Der Gang durch Gerüst und Portal in den Ausstellungsraum lohnt sich: Direkt im Langschiff der ehemaligen Kirche stehend und mit den erstaunlichen Dimensionen des Raumes konfrontiert, entfalten sich Katharina Hohmanns Installationen vor der Besucherin und dem Besucher – eine "fiktive Baustelle", gefüllt mit Geschichte und Geschichten.

Um diesen beim Gang durch die Ausstellung zu begegnen, sind die Besucher*innen eingeladen, sich einen Audioguide zu leihen und mit einer Auswahl an verschiedensprachigen Dokumenten, Urkunden, Listen und Geschichten des Dominikanerklosters auf eine Entdeckungsreise durch die Zeit und den Raum zu begeben. Diese Geschichten formen das, was wir Geschichte nennen und sind häufig in all ihrer Individualität hoch aktuell: Es geht um den Verfolgten, der Unterschlupf im Kloster findet und dessen Auslieferung die städtische Judikative fordert. Es geht um das Verhältnis einer bürgerlichen Frau mit einem der Mönche, , es geht um Nahrungsvorräte und deren Verteilung, es geht um Todesfälle und Testamente, um die Nutzungsrechte von Grund und Boden.

Katharina Hohmann untersucht sowohl die religiösen Funktionen des Dominikanerklosters mit zugehöriger Kirche als auch die Entwicklungen nach dessen Auflösung durch napoleonische Truppen um 1803. Die mehrmalige Nutzung als Lazarett, nicht nur zur Zeit der französischen Übernahme sondern auch schon im 12. Jahrhundert, die Nutzung als Kornspeicher, als Lager, als Magazin interessiert die Künstlerin. Ein in das 21 Meter hohe Kirchenschiff eingezogenes Baugerüst, dessen Struktur auf einem vierstöckigen Gebäude basiert, das Ende des 19. Jahrhunderts hier Platz genommen und es über fünfzig Jahre ausfüllte, dient als eine Art begehbares "Regal", auf welchem diese verschiedenen Nutzungen im wahrsten Sinne des Wortes greifbar werden.

Insgesamt ist die Ausstellung so vielschichtig und detailreich, wie die Geschichte, die dieser Ort erlebt hat. Sie lädt zum Verweilen, zum Zuhören, zum genauen Betrachten und zum Entdecken und Staunen ein - vom 10. Februar bis zum 7. April 2019 in der Kunsthalle Osnabrück.

Die Künstlerin Katharina Hohmann wurde in der Schweiz geboren und wuchs in Italien auf. Katharina Hohmann hat ihr Kunststudium an der UDK Berlin absolviert und an verschiedenen deutschen und europäischen Kunstschulen unterrichtet. Sie war an der Gründung zweier internationaler Master of Fine Arts Programme beteiligt: Kunst im öffentlichen Raum und neue künstlerische Strategien (Bauhaus- Universität Weimar, 2001) und Work.Master (HEAD-Geneve, 2008). Sie lebt heute in Berlin und Genf, wo sie seit 2007 den Studiengang "Option Construction. Art et Espaces" zu Skulptur, Installation und raumbezogener Kunst an der Haute école d’art et design HEAD – Genève leitet. Ihre Arbeiten wurden national und international in Museen, Galerien, Kunstinstitutionen und im öffentlichen Raum ausgestellt.

Die Ausstellung Katharina Hohmann: Inventur entsteht in Zusammenarbeit mit den Freunden der Kunsthalle Osnabrück e. V., dem Diözesanmuseum und Domschatzkammer Osnabrück und dem Niedersächsischen Landesarchiv – Standort Osnabrück. Sie wird gefördert durch die FROMM Stiftung - Institut für kulturelle Leitformen, das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung.

 


Adresse

Kunsthalle Osnabrück

Hasemauer 1

49074 Osnabrück