Filip Markiewicz: Celebration Factory

Filip Markiewicz | Celebration Factory, Ausstellungsansicht. Foto: Filip Markiewicz

 

29. November 2019 bis 2. Februar 2020

kuratiert von Enrico Lunghi

 

Die Kunsthalle Osnabrück präsentiert „Celebration Factory“, ein sich entwickelndes Ausstellungs- und Performance-Projekt des Künstlers Filip Markiewicz, das 2016 im NN Contemporary Art Northampton begann und 2018 im Casino Luxembourg - Forum d’Art Contemporain und Anfang 2019 im CCA (Centre for Contemporary Art) Derry~Londonderry fortgesetzt wurde.

Während Europa und die Welt in ihren eigenen Widersprüchen verwickelt sind, indem sie immer noch das Wirtschaftswachstum und den technischen Fortschritt als Heilshorizont der Menschheit feiern, lädt Markiewicz dazu ein, in ein Universum von Zeichen und Bildern einzutauchen, die die Leere unserer aktuellen Diskurse darstellen. Seine Ausstellung ist zum Teil eine Bühne, auf der der Einzelne als Zuschauer des Niedergangs seiner eigenen Zivilisation auftreten kann, wo der Mythos des Automobils in trostlosen Friedhöfen mit verrosteten Motoren und isolierten, nutzlosen Reifen endet, wo riesige Banknoten das trügerische, obszöne Spektakel der (Selbst-)Repräsentation von Politik und Medien vorführen und auf der alle revolutionären und emanzipatorischen Impulse in einer Illusion versinken, die durch endlosen Konsum und die Kunstwelt selbst gefördert wird. Wie der Künstler in seiner Theaterperformance „Fake Fiction“ im Theater Basel 2017 feststellte: „Heute sind wir alle ein kleiner Bela Lugosi[1] geworden: Der Tanz der Vampire des europäischen Bildes kann beginnen. Es ist Zeit, die Masken aufzusetzen und das digitale Blut zu trinken, bis unsere Festplatte für die Ewigkeit formatiert ist.“ (Filip Markiewicz, Theaterperformance Fake Fiction, Theater Basel, 2017)

Durch eine Kombination verschiedener Ausdrucksformen wie die Bildende Kunst, die Performance, die Musik, die Debatte und, wie der Titel vermuten lässt, das Feiern, sowie in Zusammenarbeit mit Tänzern, Schauspielern und Musikern erforscht Markiewicz die Möglichkeiten einer künstlerischen Sprache, die das individuelle Bewusstsein und den persönlichen Widerstand gegen die Herrschaft der Angst fördert. Sie gibt jedoch keine Lektionen oder weckt vergebliche Hoffnung. Eine solche Sprache kann als utopisches Streben nach Flucht aus der sklavischen und mephitischen Haltung des „business as usual“ verstanden werden und erinnert an den Geist des jungen La Boetie, der bereits 1576 in seiner „Abhandlung über die freiwillige Knechtschaft“ erklärte: „Soyez résolus de ne servir plus, et vous voilà libres!“ (Seid entschlossen, nicht mehr zu dienen, und ihr seid frei!).

Celebration Factory ist eine Koproduktion mit NN Contemporary Art, Northampton, Casino Luxembourg - Forum d’Art Contemporain und CCA (Centre for Contemporary Art) Derry~Londonderry. Die Ausstellung wird gefördert durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und unterstützt vom Verein der Freunde der Kunsthalle Osnabrück e.V., von Ableton, dem FOCUNA Fonds Culturel National Luxembourg und dem Bühnen Archiv Oskar Schlemmer. Co-Kuratoren sind Catherine Hemelryk und Kevin Muhlen. 

 

[1] Bela Lugosi ist der erste Schauspieler, der Dracula personifiziert hat. Die britische Post-Punk-Band Bauhaus, die das Logo der von Oskar Schlemmer gegründeten Bauhausschule verwendet, kündigte 1979 an: "Bela Lugosi is dead".

 

Adresse

Kunsthalle Osnabrück

Hasemauer 1

49074 Osnabrück