Carmen Einfinger: Südsee an der Hase

Carmen Einfinger, Südsee an der Hase, 2018, Rendering der Installation.

 

16. Juli bis 21. Oktober 2018

Platz des 20. Juli

Eine Zusammenarbeit zwischen der Künstlerin Carmen Einfinger, der Kuratorin Claudia Löffelholz, der Kunsthalle Osnabrück und dem Projektbüro des Fachbereichs Kultur.

Im Rahmen des Kulturextras „Raum“ der Stadt Osnabrück, finden in der Zeit vom 16. Juli bis 21. Oktober Projekte von Kunst- und Kulturschaffenden statt. Das interdisziplinäre Kooperationsprojekt mit Projektförderung des Fachbereichs Kultur gibt die Möglichkeit, den Raum zu gestalten, zu untersuchen und zu bespielen. Die Kunsthalle Osnabrück realisiert in diesem Kontext „Südsee an der Hase“ der brasilianischen Künstlerin Carmen Einfinger auf dem Platz des 20. Juli neben der Kunsthalle. Mit dieser ortsspezifischen Arbeit verwandelt sie den Platz vor der ehemaligen Dominikanerkirche in eine Südseeinsel. Die Künstlerin realisiert dort eine hohe farbenfrohe Palme mit der von ihr oft verwendeten Technik: aus Leinwandstoff und Acrylfarbe entstehen unter ihren Händen Installationen, Interventionen und Bilder, die unsere gewohnte Wahrnehmung des öffentlichen Raums verändern.

Die Installation setzt sich mit der Bedeutung der Palme als eines der ältesten bekannten Pflanzensymbole der Menschheit, aber auch mit ihrer religiösen Symbolik von der Antike, über das Juden- bis zum Christentum auseinander. Gleichzeitig steht die Palme in der heutigen Zeit auch als Sehnsuchtsbild für Süden, Wärme, Strand und Meer - sieht man eine Palme, ist der Gedanke an den Urlaub und die Südsee nicht weit. Wie viele Osnabrücker haben zu Hause Zimmerpalmen oder zumindest ein Foto der Südsee, die sie in die weite Ferne tragen?

„Südsee an der Hase“ macht das Unmögliche möglich und bringt im kühlen Norden die Palme, die sonst nur in Wohnungen, Büros oder Botanischen Gärten überlebt, in den Mittelpunkt des öffentlichen Lebens.

Der Platz vor der Kirche, der in ländlichen Gegenden auch heute noch ein Treffpunkt der Menschen ist, wird somit zu einer temporären Insel und zu einem Ort der Begegnung, bricht gewohnte Denkstrukturen auf und zeigt mit dieser ungewöhnlichen Installation, dass Träumen nicht nur eine Illusion, sondern direkt hinter der vermeintlichen Mauer Raum für unerwartete Erfahrungen ist.

Die Idee entstand bei einem zweimonatigen Aufenthalt Carmen Einfingers auf Tahiti. Die Palmen, die sich sanft, fast mystisch im Wind wogen, inspirierten sie und führten dazu, dass sie die religiösen Bedeutungsebenen der Palme recherchierte.

Sowohl in der islamischen und der christlichen Kultur ist die Palme als Symbol präsent. Im islamischen Glauben ist sie ein Symbol des Ausruhens, der Gastfreundschaft, der Oase und damit des Wassers als Geschenk Allahs. Im christlichen Glauben, ist die Palme vor allem mit dem Palmsonntag verbunden und in der christlichen Ikonographie ein Attribut der Märtyrer als Zeichen des Sieges. In der Assyrischen Religion ist die Palme ein heiliger Baum. Nicht zuletzt ist die Palme für viele Menschen, auch außerhalb des religiösen Kontextes, symbolhaft für ein idyllisches, tropisches Inselparadies.

Das Gefühl der Gastfreundschaft, des Entspannens, zur Ruhe Kommens und des Gedanken Erleichterns möchte Carmen Einfinger auch nach Osnabrück bringen. Dafür werden die einzelnen Teile der Palme zusammengenäht – zu einer in sich geschlossenen, harmonischen Form. Die Farben sind leuchtend und bunt, um das Gefühl eines Tages am Strand aufkommen zu lassen. Ebenso stehen sie für die Vögel, die sich in das Blau des Himmels und das Grün der Palmenblätter mischen. Dieses Bild und Gefühl soll die Palme auch in Osnabrück hervorrufen, einem Ort, wo der Himmel schon mal wolkenverhangen und grau sein kann und so einen Kontrast zu den leuchtenden Farben der Installation bietet.

„Our lives are constructed of events that we create, experience and then are generated into memories“ (Unser Leben besteht aus Ereignissen, die wir erschaffen, erleben und dann zu Erinnerungen werden), sagt Carmen Einfinger. Ihr eigenes Leben ist eng mit der Erinnerung an Palmen verbunden: blauer Himmel, Bewegung, grün. Aus diesem Leben zieht die Künstlerin ihre Inspiration, denn dies ist vielfältig und multikulturell: Sie ist in England als Tochter von niederländischen und kroatischen Eltern geboren, in Brasilien aufgewachsen und anschließend nach New York gezogen, wo sie seit 30 Jahren als Künstlerin lebt und arbeitet. Ihre Arbeiten wurden in Galerien und Museen in zahlreichen Ländern ausgestellt. Zu nennen seien z.B. China, Italien, Deutschland, Taiwan, Türkei, Polen, Tahiti und die USA. Immer wieder entwickelte sie dabei auch Interventionen und Installationen im öffentlichen Raum.

Die Installation für die Kunsthalle Osnabrück entsteht mit Unterstützung durch das Projektbüro der Stadt Osnabrück. Das Projektbüro im Fachbereich Kultur stellt bei großen Jahresschwerpunktthemen Fördergelder für Kulturprojekte zur Verfügung.

Am selben Tag, um 19 Uhr, findet auf dem Platz das Event „Carmen Einfinger und die Südsee an der Hase“ statt, bei dem sich die Gelegenheit bietet, an einem (hoffentlich) lauschigen Sommerabend unter der Palme mit der Künstlerin ins Gespräch zu kommen und mehr über ihre Arbeit zu erfahren. 

Jahresprogramm 2018

 

Andrea Mastrovito
Symphony of a Century / Symphonie eines Jahrhunderts
11. Februar – 2. April 2018

 

Zu Gast in der Kunsthalle Osnabrück: European Media Art Festival No 31

"Report - Notizen aus der Wirklichkeit"
Festival: 18. – 22. April 2018
Ausstellung: 18. April – 21. Mai 2018
Informationen zum Festival: www.emaf.de/de/index.html

 

Ayumi Paul- We Are We (Performance)
26. und 27. Mai 2018

 

Christoph Faulhaber
Revolution und Architektur

15. Juni - 21. Oktober 2018


William Engelen
Partituren für Osnabrück (Arbeitstitel)

Interventionen im öffentlichen Raum im August 2018
Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück 4. November 2018 bis 20. Januar 2019

 

Ernesto Pujol
Die Zuhörenden

am 25. August 2018 im Friedenssaal der Stadt Osnabrück
Eine Gruppenperformance als Ergebnis eines Workshops im Rahmen von ECHY.

 

 

Adresse

Kunsthalle Osnabrück

Hasemauer 1

49074 Osnabrück