All the Great Modern Things - Chinese Pop

Zeitgenössische chinesische Kunst

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist China nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht ein Land der unbegrenzten Mythen und Möglichkeiten. Gerade von der explosionsartig expandierenden chinesischen Kunst hörte man jüngst viel. Noch größer aber ist der Eindruck, sieht und erlebt man sie persönlich - und das auf Augenhöhe.

China mit seiner fast fünftausendjährigen Kunsttradition hat in den vergangenen Jahrzehnten enorme Umwälzungen durchstanden: Die überlieferte, feinsinnige Tuschmalerei wurde in den 1950ern harsch vom plakativen Agitprop des Sozialistischen Realismus abgelöst. Dieser wiederum wurde seit den 1970ern durchaus kritisch mit westlichen Einflüssen vermischt und aufgebrochen. Eine der zentralen Strömungen zeitgenössischer chinesischer Kunst zeichnet sich seitdem durch die Aneignung von und Auseinandersetzung mit der Pop-Art aus.

Mit der Ausstellung „All the Great Modern Things - Chinese Pop“ ermöglicht die Kunsthalle Osnabrück vom 24. Oktober bis 3. Januar 2010 nun auf höchstem Niveau einen Einblick in diese dem westlichen Betrachter zugleich vertraut scheinende und doch ganz neuartige Bewegung, auf deren prominenteste Vertreter Chen Wenbo, Huang He, Huang Min, Ma Jun, Shen Liang und Zou Cao der Fokus gerichtet sein wird.

Chen Wenbo präsentiert mit ironischem Rückgriff etwa auf Jeff Koons alltäglich verfügbare Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände, die in der zeitgenössischen chinesischen Kunst beständig nachwirken.

Aus großen, dunklen Leinwänden lässt Huang He seine Menschen-Wesen hell hervortreten, um sie zugleich wieder hinter drippings und Farbschlieren zu bannen. Sie sind ins Monumentale gesteigert, manchmal ins Monströse verfremdet, reflektieren dabei aber stets zutiefst menschliche Regungen.

Es sind gemalte Collagen, die zarten der Tradition verbundenen chinesischen Landschaftsbilder, in die Huang Min ihre zeitgenössischen Landsleute wie Touristen hineinprojiziert, die das Fremde konsumieren.

Ma Jun bedient sich einer bestechenden Umwertung, denn für seine filigranen Fayencen greift er die westlichen Warenikonen auf und überzieht sie mit klassischer chinesischer Malerei . seien es Sportwagen, Radios und Fernseher oder aber Flaschen des Getränks des .freien Westens. schlechthin: Coca-Cola.

Ob er Lenin oder Mao, heroische Kämpfer oder in Pastelltönen gegebene Liebespaare zu seinem Sujet macht, durch den prominenten Einsatz von Schriftzügen provoziert Shen Liang in vielen seiner Bilder die Assoziation mit amerikanischen Werbeplakaten der 50er und 60er Jahre.

Zou Cao bedient sich in seinen Peerless- Beauty-Arbeiten - wie Andy Warhol - der millionenfach reproduzierten Porträts westlicher Ikonen des Showbusiness und blendet ihnen, gleichsam wie Schleier aus Spitze, ihre eigenen Fingerabdrücke vor.

Die Ausstellung entsteht in enger Zusammenarbeit mit diesen sechs Chinese Pop-Artists, was sie zu einem einzigartigen Ereignis macht und dem Besucher die Gelegenheit eröffnet, in einen intimen und aufregenden west-östlichen Dialog zu treten.