Panoramagemälde von Heiner Altmeppen

Ausstellung "Deutsche Landschaften und andere Bilder"

In der Ausstellung "Deutsche Landschaften und andere Bilder" wird umfassend das Schaffen des norddeutschen Malers Heiner Altmeppen vorgestellt. Rund 80 Gemälde, darunter mehrere monumentale Panoramabilder, werden bis zum 4. Dezember in der Osnabrücker Kunsthalle Dominikanerkirche gezeigt.

Präsentiert werden unter anderem Hauptwerke wie die "Norddeutsche Landschaft" von 1980/81 - das Markenzeichen der Kunsthalle Emden -, die "Deutsche Landschaft" (1994 - 1998) - eines der bedeutendsten Exponate der Kunstsammlung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück - sowie das aktuelle Auftragswerk "Landschaft an der Emscher". "Diese Ausstellung ist der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zu verdanken und stellt ein herausragendes Ergebnis der guten Kooperation von Stiftung und Stadt dar", betonte der Kultusdezernent der Stadt Osnabrück, Reinhard Sliwka, bei der Vorstellung der Ausstellung.

Schutz und Nutzung des Lebensraumes - diese Themen würden Altmeppens Werk mit der Arbeit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt verbinden, erklärte Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Stiftung. Brickwedde beauftragte den Künstler auch vor über zehn Jahren mit der Arbeit "Deutsche Landschaft" (1994 - 1998), die seit 1998 dauerhaft in den Räumen des neuen Stiftungsgebäudes in Osnabrück zu sehen ist und nun als Leihgabe in der Kunsthalle Dominikanerkirche bewundert werden kann. Das Bild sei auch als Kommentar auf die Arbeit der Stiftung zu verstehen, die sich für einen nachhaltigen Umgang mit Natur und Umwelt engagiere, so Brickwedde.

Besonders die eindringlichen Monumentalbilder verweisen darauf, dass Fragen nach der Veränderung des Raumes durch großflächige Eingriffe der industriellen Zivilisation die künstlerische Arbeit Altmeppens mitbestimmen. Doch das Unverwechselbare und Besondere der Kunst von Heiner Altmeppen liegt nicht nur im Bezug zu regionalen Landschaftsmotiven, zur Umweltproblematik oder zu gesellschaftlichen Sachverhalten. Altmeppens Kunst argumentiert auch schon gar nicht für eine neue romantisch motivierte Idyllensehnsucht. Im Gegenteil: Das Besondere an dieser Malerei ist die nüchterne metaphysische Sicht auf die Außenwelt, verbunden mit einer spezifischen malerischen Grundstimmung.

Anfängliche Inspirationen fand der Künstler unter anderem über die Auseinandersetzung mit den Surrealisten (Dali, de Chirico, Carà) oder mit Ernst, Tanguy, Fuchs und Hausner. Bei Rudolf Hausner, Protogonist des Phantastischen Realismus und Mitbegründer der Wiener Schule, studierte er und wurde ausdrücklich ermutigt, eigenen Vorstellungen nachzugehen.

Altmeppens bildnerische Formulierungen sind keine Kopien oder Illustrationen der Wirklichkeit. Vielmehr sind sie auf reale Situationen bezugnehmende Raumillusionen. Die sich oft in die Totale weitenden Bildwelten zeigen in der Regel menschenleere Szenen, Landschaften, Stadtlandschaften und Industriegebiete oder auch Porträts und Figurenbilder - im Allgemeinen also Alltagssituationen. Doch in die Szenerien dringt eine beinahe kosmische Beleuchtung ein. Die Zeit scheint angehalten und überwirkliche Lichterscheinungen mit schweren Schlagschatten zeichnen eine absolute Klarheit und Schärfe aller Gegenstände.
 
Das Bildmotiv wendet sich von einem Moment zum anderen in eine rätselhafte und unsichere Vision des Wirklichen. In weiter Natur liegen Städte, Häuser und Industrieanlagen wie in einem angehaltenen und inaktiven Zustand.  Szenerien wie  "Verlassene Häuser" sind allgemein vertraute Erscheinungen. Und doch werden diese Motive in Altmeppens Malerei plötzlich widersprüchlich und überaus fremd. Mit Bestimmtheit kann nicht einmal gesagt werden, wovon diese eigenartige Wirkung ausgeht, aber das Schöne und Hässliche, das Harmonische und das Dissonante, die unberührte Natur und die urbanen Strukturen der modernen Zivilisation, das Romantische und Hart-Nüchterne kommen sich in Altmeppens Bilder auf eine ungemein beunruhigende und manchmal (fast) unheimliche Art nahe.

Vor Altmeppens Illusionsräumen spürt der Betrachter eine eigenartige Diskrepanz. Altmeppen suggeriert ihm einen Betrachterstandpunkt "im Bild" - oft auf einer Anhöhe, von wo er die Szenerie überblicken kann. Doch die Bildbetrachtung erzeugt paradoxerweise eine Empfindung des Ausgeschlossenseins. "Die Illusion des Raumes in der Fläche hat mich schon immer fasziniert", sagt Heiner Altmeppen, der Fotografien von Landschaften und Städten als Vorlagen seiner fotorealistisch anmutenden Gemälde benutzt. Die unendliche Weite des Raumes rufe auch bei ihm ambivalente Empfindungen hervor: die der Freiheit und die der Bedrohung. 

Heiner Altmeppen wurde 1951 in Leer/Ostfriesland geboren und studierte von 1971 bis 1978 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Seine Arbeiten wurden seit 1977 in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, unter anderem 1989 in der Staatlichen Kunsthalle Berlin, 1992 im Landesmuseum Oldenburg, 1994 im Pariser Centre Georges Pompidou, 1996 im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum sowie 1999 in der Kunsthalle Emden und 2000 in der Kunsthalle Wilhelmshaven. 1984 erhielt Altmeppen den zweiten Preis des Wettbewerbs der Kunstzeitschrift "art" ("Deutsche Landschaft - heute") und 1987 den Kulturpreis des Landkreises Emsland.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen (20 Euro).