Große Resonanz auf 18. EMAF

"Document" sorgt für Rekord beim 18. European Media Art Festival

"Mit einem derart hohen Zuspruch haben wir nicht gerechnet", freut sich Hermann Nöring, Leiter des Osnabrücker European Media Art Festivals (EMAF), das vom 20. bis zum 24. April stattfindet. Über 1900 Zusendungen, rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr, gingen beim EMAF ein, darunter allein 1400 Filme und Videos. Am stärksten gestiegen ist die Zahl der eingereichten Installationen: 350 Arbeiten wurden eingesandt, 30 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Außerdem erreichten die Veranstalter rund 100 interaktive und internetbasierte Arbeiten sowie 75 Performances.

"Mit dem diesjährigen Motto "Document" scheinen wir einen Nerv getroffen zu haben", bestätigt Festivalleiter Ralf Sausmikat und erläutert: "Mit  'Document' möchten wir das künstlerische Werk als Dokument eines kreativen Prozesses beleuchten". Die zunehmende Digitalität von Bildern und die damit einhergehende Diskussion um ihre Authentizität und Wahrnehmung sei offenbar ein Thema, das derzeit viele Künstler beschäftige.

Die Einsendungen aus über 50 Ländern, darunter Iran, Uganda, Kolumbien und Thailand zeigen, dass "Medienkunst sich als Kunstform weltweit etabliert hat", führt Ausstellungskurator Hermann Nöring aus. Darüber hinaus gebe die regionale Verteilung der Einsendungen auch Auskünft über den Stellenwert des EMAFs, das eines der wichtigsten Foren für aktuelle Medienkunst darstellt.

Auch in diesem Jahr präsentiert das EMAF wieder zahlreiche internationale Stars der Medienkunstszene. Darunter beispielsweise den Berliner Regisseur Harun Farocki, dem eine Werkschau gewidmet sein wird. Das EMAF zeigt insgesamt elf seiner Arbeiten sowie Farockis Doppelprojektion "Auge/Maschine I-III", in der er Filmbilder der Kriegstechnologie und der Waren- und Verkaufswelt verknüpft, um so das sich allgemein verbreitende System der technologischen Kontrolle zu beleuchten.

Bekannt für seine performanceartigen Installationen ist der in Mexiko lebende Spanier Santiago Sierra, der 2003 auf der Biennale in Venedig den spanischen Pavillon gestaltete. Er präsentiert "Línea de 250 cm tatuada sobre seis personas remunerada". Die Videoinstallation zeigt, wie auf die Rücken von sechs nebeneinander stehenden bezahlten Personen eine horizontale, insgesamt 250 Zentimeter lange Linie in schwarzer Farbe tätowiert wird.
"Schalten Sie den Fernseher ab!", fordert Medienkünstler Hartmut Jahn, der ein ungewöhnliches Porträt einer Künstlergeneration geschaffen hat. Seine mehrkanalige Videoinstallation verwendet Interviews mit Fluxus-Pionieren wie Ben Vautier, Carolee Schneemann, Wilem de Ridder und Emmet Williams.

Mit "The Tulse Luper Suitcases – The Game" präsentiert das EMAF einen Ausschnitt des gleichnamigen Mammutprojekts von Altmeister Peter Greenaway. In drei Kinofilmen, 16 TVFilmen, auf CD-ROM, in Büchern und 92 Koffern dokumentiert der Waliser akribisch genau die Geschichte des letzen Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht sein alter ego Tulse Luper, der sein Leben zwischen 1928, dem Jahr der Entdeckung des Urans, und dem Fall der Berliner Mauer größtenteils in Gefängnissen verbringt und dabei 92 Koffer hinterlässt. Das interaktive Spiel erlaubt drei Spielern, sich gleichzeitig auf die Spuren von Tulse Luper zu begeben. Ihre "Erlebnisse" werden in die Ausstellung zurück projiziert. Als Gast des Festivals wird Greenaway über das Gesamtkonzept seines Projekts berichten.

Um Vergangenheit und Zukunft wird es auch bei einer Gesprächsrunde des Kongresses gehen. Unter dem Titel "Audiovisual Archives" diskutieren Medienkünstler und Repräsentanten von Medienhochschulen und –archiven über die Archivierung und Digitalisierung von Medienkunst und deren Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit.

Die Retrospektive des Filmprogramms ist einem der originellsten amerikanischen Filmemacher der 60er und 70er Jahre gewidmet: Owen Land. Als Vorläufer des Strukturalismus war Land einer der ersten, die sich auf humorvolle Art dem Filmstreifen selbst zuwandten. Die Retrospektive aus den Archiven des Österreichischen Filmmuseums, die zuletzt in der Londoner Tate Modern zu sehen war, wird von Mark Webber vorgestellt.

Kooperationspartner des 'international student forum' ist in diesem Jahr die Kunsthochschule Kassel. Unter der Leitung von Joel Baumann, Professor für neue Medien, und Bjørn Melhus, Professor für "virtuelle Realitäten", stellen Studierende des Studiengangs "Visuelle Kommunikation" ihre neusten Arbeiten vor. Für Baumann und Melhus, die selbst bereits mehrfach mit ihren Werken auf dem EMAF vertreten waren, stellt das EMAF für ihre Studierenden eine hervorragende Plattform dar, um sich der Öffentlichkeit auf einem großen Festival in professionellen Umfeld zu präsentieren.

Das European Media Art Festival findet vom 20. bis 24. April statt. Die Ausstellung in der Kunsthalle Dominikanerkirche ist noch bis zum 15. Mai zu sehen.