Ausstellung "Remission III"

 

Die Kunsthalle Dominikanerkirche stellt nur noch bis Sonntag, 28. August, ein außergewöhnliches Kunstprojekt von Hans-Jürgen Simon vor. Simon zählt zu den wenigen europäischen Künstlern, die mit Remittenden, das heißt mit beschädigten oder fehlerhaften Druckerzeugnissen, aus dem Zeitungshandel arbeitet.

Hans-Jürgen Simon, der als Autodidakt zur Kunst kam und erst seit Anfang der neunziger Jahre künstlerisch tätig ist, findet sein Material im Alltag in der künstlerischen Wiederverwertung von Tages- oder Wochenzeitungen, die als Remittenden massenhaft von den einzelnen Verkaufsstellen zurückkommen und eigentlich als Rohmaterial dem Recyclingprozess zugeführt werden sollen.

Hans-Jürgen Simon setzt sich zu Beginn seiner Arbeit sowohl mit dem seriellen Muster der Print-Medien als auch mit der ästhetischen Gestaltung von Zeitungen auseinander. Er prüft die unterschiedlichen Papierqualitäten und gibt seinem Ausgangsmaterial eine neue dreidimensionale Form, gerade auch indem er geschickt mit Licht- und Schattenverhältnissen arbeitet. Präsentiert werden die künstlerischen Ergebnisse schließlich als Assemblagen, Installationen oder Objekte.

Die über eine perfektionierte Technik gewonnene Form zielt in zweifacher Hinsicht auf den Betrachter. Zunächst einmal bezieht sie ihren ästhetischen Reiz aus dem ungewöhnlichen Umgang mit Information und Erinnerung. Darüber hinaus aber bringt Simons Kunst immer auch das Thema Zeit mit ins Spiel. Die Exponate lassen an die voranschreitende Zeit und die rasche Vergänglichkeit all dessen denken, was einmal emotional bewegt hat. Hans-Jürgen Simons Kunstwerke können somit Erinnerungen hervorrufen. Der Besucher denkt angesichts des in Teilen noch erkennbaren Ausgangsmaterials auch an die Metamorphose, die das Material vom lebendigen Gehölz zum bedruckten Papier - mit seiner Bedeutung als Masseninformationsmedium - und dann weiter zum autonomen Kunstwerk vollzogen hat.

Der Betrachter wird darüber hinaus an Ablagerungsprozesse oder Strukturen in der Natur erinnert. Vor allem die gemaserten Oberflächen von Simons Objekten weisen auf Kalkablagerungen, Jahresringe oder Gesteinsschichtungen hin. Auch der Künstler selbst sieht diese Verwandtschaft mit natürlichen Symmetrien. Dennoch geht es ihm nicht um die Imitation von Naturzuständen. Hans-Jürgen Simon spürt im Wegwerfprodukt „Zeitung“ den Bauformen des Lebens nach. Die Schönheiten, auf die er dabei stößt, behandelt er mit bewundernder Hochachtung.

Hans-Jürgen Simon wurde 1940 in Lauban geboren. Seit 1999 sind seine Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen.