Stefan Roloff: When 6 is 9

Gemälde und Fotografien des Foto- und Videokunstpioniers Stefan Roloff

Seit der Absolvierung seines Studiums der Malerei 1981 an der Hochschule der Künste Berlin lebt und arbeitet Stefan Roloff in New York. Seine dort zunächst entstandenen Öl- und Temperabilder sowie Skulpturen befinden sich in internationalen Sammlungen und Museen. Parallel begann er mit damals unbekannten Medien zu experimentieren. Auf Einladung des New York Institute of Technology und des Musikers Peter Gabriel arbeitete der 1953 in Berlin geborene Künstler an "Images II", dem ersten Prototyp computergesteuerter Bildbearbeitung, und half, eine neue Entwicklung einzuleiten. Heute ist er als Pionier digitaler Foto- und Videokunst bekannt.

Im Foyer und Forum der Osnabrücker Kunsthalle Dominikanerkirche wurden vom 7. Februar bis 4. April 2004 unter dem Ausstellungstitel "When 6 is 9. Retrospektive elektronischer Arbeiten von 1984 bis 2003" computergenerierte Gemälde und Fotografien des vielseitigen Künstlers gezeigt. Zur Vernissage führte der Berliner Kulturjournalist Peter Herbstreuth in das Œuvre Roloffs ein.

Die großformatigen und computergenerierten Fotografien wurden für die Osnabrücker Kunsthalle zum Teil in Spanien hergestellt. Sie stellen sich der Herausforderung, einem Fotoporträt durch digitale Behandlung malerische Qualität und Tiefe zu verleihen.

Die Modelle kommen aus dem Kreis der Verwandten, Freunde und Bekannten oder durch Vermittlung. Sie werden - einzeln oder als Gruppe - zweimal aufgenommen: einmal privat in einem Innenraum und dann an einem öffentlichen Ort. Anschließend werden diese Innen- und Außenaufnahmen im Computer miteinander kombiniert. Diese elektronische Vermischung der Einzelaufnahmen erzeugt vielschichtige Ausdrücke. Das Foto ist von der zeitlichen Limitation befreit, die es von der Malerei unterscheidet, und die Technik macht unterschiedliche psychologische Aspekte sichtbar. Reaktionen von Menschen auf ihr Umfeld, Spannungsfelder und Stimmungsveränderungen hauchen den in Osnabrück ausgestellten Porträts ihr Leben ein.

Bereits in seinem ebenfalls ausgestellten, 1984 noch am New York Institute of Technology realisierten  "Big Fire" - Projekt tauchte Roloff mit Hilfe des Computers in die Schichten der Tafelmalerei ein. Nach dem Einscannen des "Polish Rider", eines seiner Öl- und Temperabilder, zoomte er in kleinste Bilddetails und entdeckte dort eine digitale Landschaft.

Die durch Langzeitbehandlung entstehenden Schichten der Malerei, die dem traditionellen Foto fehlen, sind es, die für ihn die Qualität erzeugen, durch die ein Bild bei jeder Betrachtung neu aussieht.

Stefan Roloffs Werk wurde seit 1982 in Einzelausstellungen unter anderem in New York, Tokio, Rio de Janeiro, Paris, Berlin, Amsterdam, Bern, Frankfurt am Main, Boston und Bilbao präsentiert. In zahlreichen Gruppenausstellungen, vornehmlich in den Vereinigten Staaten von Amerika, waren sie ebenfalls zu sehen.

Roloff wurde 1989 mit dem "Fellowship Award" der New York Foundation for the Arts, 1995 mit dem Art Matters Grant und 2002 mit dem Jerome Foundation Grant des New York City Media Arts Program ausgezeichnet.Die Ausstellung wurde von der Lottostiftung Niedersachsen gefördert.