Ihr seid das Salz der Erde

Installation von Klaus Berends

Vom 19. Juni bis 19. September 2004 präsentierte die Kunsthalle Dominikanerkirche das aus mehreren Installationen bestehende Ausstellungsprojekt "Ihr seid das Salz der Erde" von Klaus Berends. Die zentrale Installation "Ihr seid das Salz der Erde" zeigt eine „Meersalzlandschaft“ und mehrere maritime Relikte, die Klaus Berends auf den Kanarischen Inseln gefunden hat. Darunter sind auch Wrackteile des 1994 vor der Westküste Fuerteventuras havarierten Transatlantikliners "SS America", der in den fünfziger Jahren eines der weltweit bekanntesten und exklusivsten Passagierschiffe war.

Rund 15 Tonnen Meersalz hat die kanarische Inselregierung für das Osnabrücker Projekt von Klaus Berends zur Verfügung gestellt. Die Inselregierung finanziert auch den Schiffstransport nach Bremerhaven. Die große Menge Meersalz wird in der gotischen Kirche des heute als Kunsthalle genutzten Dominikanerklosters auf einer Fläche von rund 500 Quadratmetern aufgeschüttet. Ein gewaltiges Stahlobjekt aus dem Frachtraum der "SS America", das dieser Inszenierung zugeordnet ist, dient als Resonanz- und Klangkörper. Geräusche aus dem Schiffswrack, die Berends im Inneren des Schiffswracks über einen langen Zeitraum und während unterschiedlicher Wetterverhältnisse aufgenommen hat, werden dabei eingespielt.
Mit Bezug auf dieses Szenario zeigt Klaus Berends Konstruktionspläne, die er ebenfalls aus dem Rumpf der "SS America"  geborgen hat und die er zu einer weiteren Installation fügt. Auch diese Installation hat er als akustische Arbeit realisiert.

Mit dem Objekt "Misa" (Messe) spielt Klaus Berends nicht nur auf die kultische und religiöse Bedeutung des weißen Meeresgold an, sondern auch auf die ehemals sakrale Funktion der Dominikanerkirche. Der Ausstellungstitel bezieht sich auf ein Zitat von Jesus im Matthäus-Evangelium: "Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten".

Salz ist lebensnotwendiger Bestandteil der menschlichen Nahrung und ein wichtiger Baustein des Körpers. Ohne das Meer, Spender allen Lebens, und ohne das Salz wäre der menschliche Organismus nicht in der Lage zu überleben. Auch ließen sich viele alltägliche Dinge, wie beispielsweise Kunststoffe, Chemikalien oder Arzneimittel, ohne Salz nicht herstellen.

Klaus Berends thematisiert das Werden und Vergehen im Naturprozess. Der Künstler macht die Elemente Wasser, Erde, Luft und Feuer sowie Licht, Wind und Regen zum Thema seiner Kunst und erinnert damit an den Kreislauf des Lebens und an Geschichten vom Aufstieg und Niedergang im Wechsel der Zeiten. Berends inszeniert geradezu mystisch-symbolhaft die Wrackteile der gestrandeten "SS Amerika" und Reste von hölzernen Flüchtlingsbooten, die an die Strände der Kanaren angeschwemmt wurden. Damit spielt er auf die Problematik kultureller und nationaler Ideologien an. So verweist besonders die große Installation im Chor der ehemaligen Dominikanerkirche mit ihrer wirkungsvollen Lichtdramaturgie auf die maritime Bildszene "Das Eismeer" (1824) von Caspar David Friedrich.

Nicht zuletzt erinnert die aktuelle Ausstellung von Klaus Berends auch an das mit dem Meer verbundene Leben und den Arbeitsalltag auf der Inselgruppe im Atlantik: der Technikfortschritt mit der modernen Salzgewinnung und dem Fischfang als Segen, soziale Probleme und das Elend illegaler Einwanderer vom afrikanischen Festland als Fluch.

Klaus Berends, 1958 im emsländischen Papenburg geboren, lebt in Tarajalejo auf der kanarischen Insel Fuerteventura. In Deutschland und Spanien ist der Künstler durch Projekte bekannt geworden, die sich mit Umweltthemen auseinandersetzen.