Das legendäre Silikonzimmer

Uwe Schloen präsentierte Rauminstallation in der Kunsthalle Dominikanerkirche

Bereits der Ausstellungstitel weist darauf hin: Uwe Schloen persifliert und ironisiert mit seiner Rauminstallation nationale Mythen und Legendenbildungen. Die Installation, die bis zum 12. September im Innenhof der Osnabrücker Kunsthalle Dominikanerkirche präsentiert wurde, hat der Künstler eigens für diese Ausstellung geschaffen. So nimmt der in Rotenburg bei Bremen lebende Künstler auch auf das legendäre Bernsteinzimmer Bezug.

Der preußische König Friedrich Wilhelm I. ließ das Bernsteinzimmer im frühen 18. Jahrhundert für das Schloss Charlottenburg bauen, 1716 kam es als Geschenk des Preußenkönigs an Zar Peter I. nach St. Petersburg. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges ging es verloren. Seitdem ranken sich viele Legenden um das Kunstwerk. 1979 begannen russische Experten, das Zimmer zu rekonstruieren. 2003 wurde es anlässlich der 300-Jahrfeier von St. Petersburg im Katharinenpalast seiner Bestimmung übergeben. 

Schloen konfrontiert die Ausstellungsbesucher mit einer verfremdeten außergewöhnlichen Rauminstallation, die mit Kühlschrank, Regal, Tisch, Stühlen und diversen Accessoires, wie zum Beispiel Tierpräparaten, eingerichtet und insgesamt mit Silikontupfern überzogen ist.

Die Idee des Silikonzimmers hat allerdings auch einen biografischen Hintergrund. Schloen selbst assoziiert seine Arbeit mit der besonderen und nicht selten schwierigen Arbeitslage des modernen Künstlers. Die Ausnahmesituation, in die der Künstler gerät, wird zum Elfenbeinturm, den er benötigt, um zu den Dingen um sich herum und zur Welt eine Distanz zu schaffen. "Dieses Dilemma", meint Schloen, "lässt sich kaum vermeiden. Man gerät nicht selten in eine fatale Nähe zur Gummizelle!".