Arbeiten von Johannes Heisig

 

Vom 24. Januar bis 28. März 2004 wurden in der Kunsthalle Dominikanerkirche unter dem Titel „Aus der neuen Welt – Bilder seit 1989“ künstlerische Arbeiten von Johannes Heisig aus den Jahren 1989 bis 2004 gezeigt. Das Spektrum der rund 80 ausgestellten Werke, darunter mehrere große Triptychen, umfasst Malerei, Zeichnungen und Grafik.

Johannes Heisig, 1953 geboren, stammt aus einer Leipziger Künstlerfamilie. Von 1973 bis 1977 studierte er Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und absolvierte mehrere Jahre eine Lehre in der Werkstatt seines Vaters, dem bekannten Maler Bernhard Heisig. Johannes Heisig war Meisterschüler bei Gerhard Ketter an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK), dessen Assistent er von 1980 bis 1988 wurde.

Nach anfänglichen Lehrtätigkeiten im Fachbereich Freie Kunst der HfBK Dresden wurde Johannes Heisig Ende der achtziger Jahre zum Hochschulpräsidenten der HfBK Dresden berufen. Künstlerisch war Heisig zunächst in Dresden, später dann in Berlin tätig, wo er auch heute noch lebt. Zahlreiche Arbeiten des Künstlers befinden sich in öffentlichem Besitz, unter anderem Albertinum Dresden, Staatliche Museen zu Berlin, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, British Museum London sowie Puschkin Museum Moskau.

Nachfolgende Kritikergenerationen werden Johannes Heisig vermutlich als einen Maler einer unruhigen Umbruchzeit  beschreiben – und zwar in mehrfacher Hinsicht. Über Selbstporträts, Figurenbilder, Stilleben, Stadtlandschaften und Interieurs reflektiert Heisig in jüngster Zeit – in der Farbgebung seiner Gemälde oft melancholisch-distanziert – die besondere Atmosphäre, die mit dem architektonischen, gesellschaftlichen und kulturellen Umbruch Berlins zu einer neuen europäischen Metropole einhergeht. Zum anderen fügen sich seine Bilder, die die Rückbesinnung auf die sozialkritische Tradition des Realismus ebenso wenig leugnen wie die temporeiche, unruhige Sprache des Expressionismus, immer auch zu einem Zeitbild, in dem die Brüche der Gegenwart deutlich werden.

Einerseits ist es Heisigs künstlerische Vitalität und charakteristische Malgeste, die das Bildgeviert eines Gemäldes aus ganz eigenwilliger Farbgebung heraus zum Kraftfeld organisiert. Schon allein dieser Aura vermag sich der Betrachter kaum zu entziehen. Andererseits ist es die hintergründige zeitkritische und oppositionelle Haltung, die aus Heisigs ganzem Oeuvre spricht und die jedem Motiv den ganz und gar einzigartigen Reiz verleiht. Die Sicherheit des Augenblicks trügt. Selbst in scheinbar noch so friedlichen Idyllen, wie dem Motiv einer Vase mit üppigem Blumenstrauß oder der sommerlichen Stadtlandschaft Berlins - in der Ferne künden Baukräne von Planungs- und Bauwut – ist die Irritation Wesensmerkmal.

Eindringlich knapp und ohne jegliche Beschönigung ins Bild gesetzt sind Heisigs desillusionistischen Selbstporträts. Insbesondere auch über diese Bildgruppe beginnt der Betrachter zu ahnen, dass inmitten eines hektischen und prallvollen Lebens die Vergänglichkeit und der Tod immer mit von der Partie sind.

Derartige und andere Spannungsverhältnisse gilt es in der umfangreichen Heisig-Ausstellung der Kunsthalle Dominikanerkirche Osnabrück zu entdecken.