Neue figürliche Skulpturen von Robert Stieve

Ausstellung im Innenhof der Kunsthalle Dominikanerkirche

Robert Stieve, Bildhauer aus Melle bei Osnabrück, hat vom 12. September bis 12. November 2003 im überdachten Innenhof der Kunsthalle Dominikanerkirche neun figürliche Skulpturen ausgestellt, die hauptsächlich aus Diabas gefertigt sind.

Zum Teil kombiniert Robert Stieve seine Skulpturen mit Hinweiszeichen oder Piktogrammen, wie sie überall im Stadtbild zu sehen sind. Stieve ist Bildhauer im traditionellen Sinne, denn er arbeitet mit Stein. Sein Interesse gilt der menschlichen Gestalt, dem ehemals zentralen Objekt der Kunstgattung Plastik.

In den neunziger Jahren verwendete der Künstler für seine Torsi ausgediente Grabsteinsockel und bezog die damit verbundenen Beschränkungen in die Gestaltung ein. Der Torso, ohnehin ein Fragment, war in seinem Volumen begrenzt. So entstanden keine Idealgestalten, aber in sich wohlproportionierte Figuren. Körper- und Gesichtsformen waren nur andeutungsweise ausgearbeitet. Mit sicht- und tastbaren Arbeitsspuren erzielte Robert Stieve eine relativ gleichmäßig rauhe Oberfläche und den Eindruck von Homogenität. Das Fragmentarische trat dahinter zurück. Wegen ihrer materialen wie formalen Einheitlichkeit und der gleichförmigen Bearbeitung wirkten die Torsi zeit- und ortlos. Hierzu trug auch die Nacktheit der Torsi bei. Diese Art von Kunst schien sich an einem Ideal, an Harmonie und Ganzheitlichkeit zu orientieren. Mit diesem Ideal bricht Robert Stieve allerdings, wenn er mit dem Auftragen von schwarzer und weißer Farbe auf den Stein Hose und Hemd andeutet. Mit dem Verweis auf Kleidung gibt er die Distanz bewirkende Homogenität der Skulptur auf.

Der Bruch mit der Einheitlichkeit und Homogenität der Skulptur wird an dem Verhältnis des Kopfes zum Körper besonders augenfällig. Die Köpfe sind ganz anders ausgearbeitet und bestehen aus einem anderen Stein als die dazu gehörenden Körper. Kopf und Körper sind nicht eins, ihre Verbindung erscheint häufig als Bruchstelle.