Papierschnitte, Objekte und Installationen von Ren Rong

Die Verbindung von fernöstlicher Kulturtradition und westlichen künstlerischen Stilelementen geben dem Werk von Ren Rong einen eigentümlichen Reiz. Vom 3. März bis 14. April 2002 wurden Rongs Papierschnitte, Objekte und Installationen unter dem Titel "Pflanzenmenschen" in der Kunsthalle Dominikanerkirche ausgestellt.

Collageartig verbindet der Künstler verschiedene Realitätsebenen zu charakteristischen Kompositionen. Fotografien oder Bild- und Schriftzitate, hauptsächlich aus deutschen und chinesischen Zeitungen und Magazinen, verwebt er zum Einzelbild, zur Bildserie, zu Wandtableaus oder zu monumentalen Bodenobjekten. Ren Rong verwendet für seine künstlerischen Arbeiten neben Fotodokumenten auch Comics, Zeichnungen und Karten.

Rong mischt Motive wie beispielsweise Landschaften, Porträts oder Stilleben mit biographischen, kalligraphischen und topographischen Momenten zu immer neuen Konstellationen. So entsteht ein Kaleidoskop von Simultandarstellungen aus kollektiver und individueller Geschichte. Die einzelnen Elemente verdichten sich zu einem spannungsgeladenen Bildgefüge, dessen Oberfläche durch eine charakteristische Einbindung leuchtender Signalfarben und das Auftragen einer transparenten unebenen Wachsschicht bewegt und belebt wird.

 Sowohl die kleineren Bilder und Objekte als auch die großen blockhaften Bodenobjekte und großformatigen Wandbilder werden durch symbolhafte Elemente belebt. Es entstehen einem Patchwork vergleichbare Bildflächen, die aus vielen einzelnen Elementen ganz unterschiedlicher Materialien sowie verschiedener Formen bestehen. Im Zusammenspiel werden sie jedoch als Ganzes wahrgenommen.

In den Sagengestalten des alten China fand Rong die Anregung für das unverwechselbare Bildzeichen und Hauptmotiv seiner Kunst, den "Pflanzenmenschen". Dieses androgyne Wesen aus der asiatischen Mythologie, das in der Bildwelt Rongs ein turbulentes und scheinbar groteskes Spiel treibt, hat der Künstler inzwischen zu vielfältigen Ausprägungen transformiert und variiert. Oft steht es im Zentrum seiner phantasievollen Bilddramaturgie. Ren Rong lässt den "Pflanzenmenschen" über seine bildreichen Leinwände und Objektkörper, wie zum Beispiel Kugeln, Würfel, Zylinder oder Pyramiden, geistern. Er schnitzt ihn in Holz oder formt ihn zum stählernen skulpturalen Zeichen.

Ren Rong wurde 1960 im chinesischen Nanjing geboren. Von 1982 bis 1986 studierte er an der Nanjinger Kunstakademie. 1989 verlegte er sein Studium nach Münster an die Kunstakademie und studierte freie Malerei. Von 1990 bis 1992 studierte Rong in Düsseldorf weiterhin freie Malerei und wurde 1992 Meisterschüler von Professor Fritz Schwegler. Ein Jahr später erhielt er das Jahresstipendium des Kultusministeriums des Landes Schleswig-Holstein. 1994 wurde ihm der Weilburger Förderpreis für Bildende Kunst verliehen. Ren Rong, wichtigster Berater der Ausstellung "China - Zeitgenössische Malerei" (Kunstmuseum Bonn, 1996), war maßgeblich daran beteiligt, deutschen Kuratoren einen Blick in die Ateliers zeitgenössischer chinesischer Künstler zu ermöglichen. Die Ausstellung "China - Zeitgenössische Malerei" basierte auf diesen Erfahrungen. Ren Rong lebt und arbeitet in Bonn und Peking.