Fotografiezyklen von Herlinde Koelbl

Ausstellung in der Kunsthalle Dominikanerkirche

Eine der berühmtesten deutschen Fotografinnen der Gegenwart, Herlinde Koelbl, war im August 2002 in Osnabrück zu Gast. Erstmals in Deutschland wurden umfassend ihre Fotografiezyklen in der Kunsthalle Dominikanerkirche vom 25. August bis 27. Oktober 2002 präsentiert. Dabei stand das aktuelle Thema der Künstlerin "Die Meute", das sich mit den Medien auseinandersetzt, im Mittelpunkt der Ausstellung,. Darüber hinaus präsentiert die Schau einen Querschnitt der Arbeiten aus den vergangenen zehn Jahren. Die Regiearbeiten "Spuren der Macht - Die Verwandlung des Menschen durch das Amt" wurde ebenfalls gezeigt.

In "Spuren der Macht" (1999) porträtierte und interviewte Koelbl in einer Langzeitstudie von 1991 bis 1998 Persönlichkeiten des politischen Lebens wie Gerhard Schröder, Joschka Fischer, Angela Merkel und Heide Simonis und dokumentierte dabei subtil die Veränderungen der Lebenseinstellung und der äußeren Erscheinung, die durch den Umgang mit der politischen Macht bei den Politikern zum Ausdruck kamen.

Koelbl rührt mit engagierten und provokanten Langzeitfotostudien an tradierte Sehgewohnheiten und Genrevorstellungen. Ihre Bilderzyklen weisen nicht nur eine charakteristische Handschrift auf, sondern zeigen auch ein besonderes Gespür für Zeitfragen und Themen, die sich immer um das gegenwärtige Menschenbild ranken.

Im Zyklus "Jüdische Porträts” (1989) sprach sie mit jüdischen Emigranten wie Teddy Kollek, Fred Zinnemann, Norbert Elias, Sir Georg Solti und Uri Avnery über ihre Traditionen, Religionen und das Verhältnis der Emigranten zu Israel und Deutschland.

Für "Im Schreiben zu Haus” (1998) interviewte und fotografierte Herlinde Koelbl nahezu alle großen deutschsprachigen Schriftsteller. Darunter sind Jurek Becker, Hans Magnus Enzensberger, Peter Handke, Elfriede Jelinek, Ernst Jünger, Walter Kempowski, Sarah Kirsch, Peter Rühmkorf, Johannes Mario Simmel, Martin Walser und Christa Wolf.

Die Serie "Starke Frauen” (1996) zeigt Akte, die ganz im Gegensatz zum gewohnten (Ideal-)Bild des Genres stehen. Aktfotografien von Männern reflektieren demgegenüber Attitüden und Klischees der Männlichkeit in "Männer" (1984). "Das deutsche Wohnzimmer” (1980) war das erste Buch, das Koelbl publizierte.

Herlinde Koelbl, 1939 in Lindau geboren, arbeitet seit 1976 als Fotografin und lebt in München. Ihre Fotografien sind in den Fotosammlungen internationaler Museen, unter anderem in Berlin, Paris und New York, vertreten. Koelbl ist Trägerin zahlreicher Preise. 2001 wurde sie mit dem Dr.-Erich-SaIomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Fotografie ausgezeichnet. Viele ihrer Bücher und Fernsehbeiträge sind zu "Klassikern” der künstlerischen Fotografie beziehungsweise der künstlerischen Foto- und Filmreportage geworden. Herlinde Koelbl arbeitet regelmäßig für den "Stern", "Die Zeit" und die "New York Times". Koelbl präsentierte ihre Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland, zum Beispiel in den USA, Süd-Korea, Japan, Australien und Österreich.