Et in arkadia ego

Großformatige Holzschnitte von Hans Sieverding in der Kunsthalle

Großformatige Holzschnitte von Hans Sieverding wurden vom 24. Februar bis 14. April 2002 im Foyer der Kunsthalle Dominikanerkirche unter dem Titel "ET IN ARKADIA EGO" gezeigt.

Der Künstler bezieht sich in seinen Werkzyklen auf die Literaturgeschichte. Schriften von Ovid, Vergil, Theokrit und vielen anderen Literaten sind ihm Inspirationsquelle für neue Bildserien. Arkadien galt Literaten und Künstlern seit der Antike als Inbegriff der Ideallandschaft, in der die Menschen in Eintracht mit Fauna und Flora leben. Schon früh zeigte sich eine enge Verbindung des Arkadien-Sujets zum biblischen Paradies. Mit dem Mythos von Arkadien waren die Vorstellungen eines Zustandes des Friedens und des Heils verbunden.

Der römische Dichter Vergil (70 bis 19. v. Chr.) suchte in seiner lyrischen Dichtung unter dem Eindruck der Krise des römischen Reiches nach einem Halte- und Wendepunkt. Sein Arkadien, das zwar noch einem mythischen Weltbild verhaftet war, stellte zugleich eine polemische Zeit- und Gesellschaftskritik dar.

Hans Sieverding bezieht sich mit seinem Ausstellungstitel auf zwei Gemälde Poussins ("Die Hirten Arkadiens", um 1630) und stellt sich somit auch in die Bildtradition des Arkadien-Sujets. Dabei führt er aus kulturgeschichtlicher Perspektive heraus die Notwendigkeit vor Augen, sich mit der Gesellschaft, der Natur und dem Fortschritt auseinander zu setzen.

Sieverding hat seinen Zyklus "ET IN ARKADIA EGO" in drei inhaltlich zusammenhängende Sequenzen gegliedert. Die Sequenz I, bestehend aus zwölf Holzschnitten, nimmt auf die antiken Paradiesvorstellungen vor dem Hintergrund der Dichtung von Polybius, Theokrit und Vergil Bezug. In den 19 Holzschnitten der Sequenz II werden hingegen die Verhältnisse der Gegenwart angesprochen. In pointierten Hell-Dunkel-Kontrasten sind die negativen und positiven Aspekte des technisch-wissenschaftlichen Fortschritts oder die gegenwärtigen ökologischen Bedingungen und gesellschaftlichen Verhältnisse einander gegenübergestellt.

Die aus drei Arbeiten bestehenden Sequenz III ist eine optimistische, aber auch trotzige Arkadienvision. In ihr kommt die Forderung nach einer tiefgreifenden Veränderung des wissenschaftlichen Denkens und der gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und technischen Verhältnisse im Hinblick auf eine humane Vernunft und Zukunft zum Ausdruck.

Hans Sieverding, 1937 in Wenstrup, Kreis Vechta, geboren, zeigte seine Arbeiten seit 1977 in zahlreichen Ausstellungen in Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Niederlande, Schweiz und USA. Seine Ausbildung absolvierte er von 1970 bis 1976 bei dem Duisburger Maler Wilhelm Wiacker. Sieverding ist Mitglied des Westdeutschen Künstlerbundes und der Darmstädter Sezession. Er lebt im Odenwald.