Volkskunst

Groteske Welten des Künstlers Kehl im Foyer der Kunsthalle

Vom 1. Dezember bis 17. Februar 2002 wurden im Foyer der Kunsthalle Dominikanerkirche aktuelle Arbeiten des Berliner Künstlers Kehl gezeigt. Die mit "Volkskunst" betitelte Ausstellung ließ die Besucher in eine skurrile Welt eintauchen, die eine groteske Kombination aus dem Holzkunsthandwerk des Erzgebirges und der Pop Art der Gegenwart darstellte. Hier fanden modisch gestylte Damen als "Räucherfrauchen" ihren Sinn in der Holzkunstwelt, und mit Fliegenpilzschirmen ausgerüstete Großstadtmatronen machen sich als Nussknacker nützlich.

Die Skulpturen setzten die Aussagen der Bilder Kehls fort. Vordergründig wird der Schein einer grellen, konsumfreudigen und skurrilen Phantasiewelt heraufbeschworen. Die bei den Skulpturen gewählten Eigenschaften aus der Welt des Holzkunsthandwerks lassen eine neue, absurd erscheinende Welt entstehen. Die seriell gedrechselten Figuren verstärken dabei auch den Aspekt reproduzierbarer Beliebigkeit, die Kehl durch systematische Kombinationen von Individualitätsbausteinen auch in seinen Bildern thematisiert. Dies zeigt sich beispielsweise in den Lackporträts von Frauen- und Tiergestalten, denen Kehl "Markenzeichen" anheftet. Der Warenwert eines Produkts offenbart sich nicht nur in diesem Detail, sondern wiederum auch in dem Baukastenprinzip der Porträts: Gesichter sind beliebig kombinierbar. Kehl macht auf ironische Weise deutlich, dass in der Gegenwart die Individualität ein Konstrukt vorgegebener Auswahlmöglichkeiten zu sein scheint. Die Persönlichkeit des Einzelnen ist somit ihrer Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit beraubt.

Die jüngst entstandene blaue Serie zeigt Kehl hingegen nicht als kritisch distanzierten Betrachter, der seinen Zeitgenossen eine absurde und entfremdete Welt vorführt. Hier nähert er sich persönlich-sensibel dem Thema Männlichkeit. Der auf unbehandelter Leinwand schwebende hochglanzlackierte Männertorso verweist dabei in seiner phallischen Form und der hellblau gehaltenen Fragilität auf verschiedene Facetten des heutigen Männlichkeitsbildes.

Kehl wurde 1964 in Wissen, Westerwald, geboren. Nach dem Studium der Kommunikationswissenschaften markierte der Besuch der San Francisco Academy of Comic Art den Beginn seines künstlerischen Schaffens. Zurück in Deutschland gründete Kehl 1990 mit Gleichgesinnten die vom Schabernack bis zur ernsthaften Ironie beseelte Künstlervereinigung "Muhfmoh Kähs". Die Werke des in New York und Berlin arbeitenden Künstlers werden regelmäßig im In- und Ausland ausgestellt.