29. Januar – 2. April 2017 Icaro Zorbar: Verweile doch (ein Abgesang)

 

Die Ausstellung „Verweile doch (ein Abgesang)“ in der erneut verdunkelten ehemaligen Dominkanerkirche will Reflexionen über Alterungsprozesse von Technologien, Gesellschaften und Epochen anregen. Icaro Zorbar legt dafür die Schaltpläne der Zeit und des Vergänglichen offen, auch um mit dem Publikum sein Wissen um die Verlangsamung von zeitlichen Prozessen zu teilen. Motivisch werden dafür planetarische Konstellationen, tragische Liebesbeziehungen und Weltzeituhr-Maschinen akribisch inszeniert, auch um zu zeigen, wie Zeit vergeht. Stets ohne die Lötspuren zu verschleifen. Berührend poetisch sind Icaro Zorbars Phänomene des Downsizings: etwa wenn er dem Pluto nachtrauert, dem 2006 der Planetenstatus aberkannt wurde. Angesichts dieses Planetenverlusts und der Degradierung zum Zwergplaneten, scheint alles Minimalistische ins Gigantische wachsen zu wollen.

 

Icaro Zorbars installative Choreographien sind stets auch als Phänomenologie des Tanzes als Selbstbewegung zu lesen. Als einfach anmutende Umbauten analysieren sie das Verhältnis von Tempo, Bewegung und Musik. Auf visueller Ebene erzeugt Zorbar an modernen Tanz erinnernde Zeitlupen-Phänomene von minimalistischer Präzision, die doch Raum für den Zufall und vor allem für Veränderung durch Zeit lässt. Die Projektionsinstallationen schaffen sonderbar-fremdgesteuerte Kreaturen und Flugobjekte. Der Kombinatorik sind keine Grenzen gesetzt. Alles scheint mit allem verbunden werden zu können. Zorbar schafft Reanimierungs-Szenarien, die der Digitalisierung als Paradigma misstrauisch entgegenstehen und ihr dennoch ausgesetzt sind. Widerständig der Versuchung trotzend, die „gefahrvolle“ Epochenschwelle zu übertreten: Ihr leises Plädoyer „Wir bleiben analog.“ erinnert an das selbstbewusste Abschalten der Fremdsteuerung (2001: Odyssee im Weltall). Angstvoll schwindet die Erinnerungsfähigkeit für die Phänomene der verlorenen Zeit …

Here am I floating round my tin can

Far above the World

Planet Earth is blue

And there's nothing I can do
(Space Oddity by David Bowie)

 

Icaro Zorbar wurde 1977 in Bogota, Kolumbien geboren, absolvierte dort ein Bachelorstudium im Bereich Film und Fernsehen und einen MFA in Bildender Kunst. Derzeit setzt er seine Studien an der Kunstakademie in Bergen (Norwegen) fort. Seine Biografie umfasst Ausstellungen in Lateinamerika, den USA und Europa. Seine Installationen wurden u.a. im New Museum in New York und der Sao Paolo Biennale gezeigt. Sie befinden sich in internationalen Sammlungen wie dem Mudam Luxemburg und der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary in Wien. Gefragt nach seinen Vorbildern nennt Zorbar Andrei Tarkowski, Dieter Roth, „24 Hours Psycho“ von Douglas Gorden und seinen Großvater.

 

Werkliste der Ausstellung:

• Suizidmixkassette, 2009, Bogota (7 interaktive Objekte)
• Verweile Doch (Stay a While), 2016 (Video-Klang-Installation, 5 Video-Projektionen „Dust“, Kirchenschiff)

• Erster Pluto, Assistenzbedürftige Installation Nr. 7, 2009, (4 interaktive Klang-Licht-Installationen)
• Ventilator: Assistenzbedürftige Installation Nr. 6, 2007-17, Klanginstallation
• Ausradierte Zeichnung 2, 2017, Klang-Installation
• Zwiegespräch zwischen dir und ihnen, 2017, Interaktive Klang-Installationen
• Lied für eine mögliche Liebe, Assistenzbedürftige Installation Nr. 8, 2009 (4 interaktive Klang-Objekte)

 

Hintergrund: Das Osnabrücker Kooperationsprojekt widmet sich der Totentanzthematik
Mary Wigman (1886–1973), eine der bedeutendsten und einflussreichsten Protagonistinnen des modernen Tanzes in Deutschland im 20. Jahrhundert, schuf 1917 einen Totentanz, den sie 1921 zur Musik von Camille Saint-Saëns in Dresden herausbrachte. Vier Jahre später arbeitete sie in Dresden an einem zweiten Totentanz für ihre Tanzgruppe. Als „stummer Partner“, „immer spürbar und immer inspirierend“ saß der Maler Ernst Ludwig Kirchner dabei, zeichnete, entwarf Skizzen, aus denen später das Ölgemälde Totentanz und viele weitere Bilder zu Wigman entstanden. 1926 gelangte der „Totentanz II“ in Königsberg zur Uraufführung. - Dieser „Totentanz II“ war Anlass für das Kooperationsprojekt „Danse Macabre – Totentanz“, in dem sich vier Osnabrücker Kulturinstitutionen mit den verschiedenen Aspekten des Themas auseinandersetzen. Während die Dance Company Theater Osnabrück historischen Totentänzen von Mary Wigman zwei zeitgenössische Choreografien zu dieser Thematik gegenüberstellt, widmen sich das Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück, die Kunsthalle Osnabrück und das Diözesanmuseum Osnabrück aus unterschiedlicher Perspektive dem bis in die Gegenwart reichenden Motiv des Totentanzes. (Zitiert aus dem Pressetext des Theaters Osnabrück)

 

Ausführliche Informationen: www.dansemacabre-osnabrueck.de

Die Ausstellung in der Kunsthalle wird von dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert. Das Programm der Kunsthalle entsteht in Zusammenarbeit mit den Freunden der Kunsthalle Osnabrück e.V.


Veranstaltungsadresse:
Kunsthalle Osnabrück
Hasemauer 1
49074 Osnabrück
www.kunsthalle.osnabrueck.de

Öffnungszeiten:
Di 13-18 Uhr
Mi, Do, Fr 11-18 Uhr
am 2. Do im Monat 11-20 Uhr
Sa + So 10-18 Uhr

Presse:
Verena Voigt PR
kontakt(at)verena-voigt-pr.de
M 0163 191 1669


Bildmaterial auf Anfrage

Adresse

Kunsthalle Osnabrück

Hasemauer 1

49074 Osnabrück