Pedro Cabrita Reis, The Gildewart Line, Ausstellungsort: Kunsthalle Osnabrück, Fassade Material: LED-Leuchtröhre Courtesy: Pedro Cabrita Reis, Foto: Hermann Pentermann.

KUNST statt Kloster

Die Kunsthalle Osnabrück zählt zu den schönsten – und anspruchsvollsten – Ausstellungsräumen für zeitgenössische Kunst in Norddeutschland. Situiert in einer ehemaligen Dominikanerkirche mit umgebautem Klosterkomplex, stellen hier seit 1992 regionale, nationale und zunehmend auch internationale Künstler ihre Werke auf einer Gesamtfläche von rund 1.500 Quadratmetern aus. 

Während die ehemaligen Klosterräume den Künstlern ein neutrales Ambiente bieten, das sich nach Art eines White Cubes vielfältig bespielen lässt, ist das dank der hohen Fenster von Tageslicht durchflutete Kirchenschiff mit seinen imposanten Ausmaßen und einer Höhe von einundzwanzig Metern für ortsspezifische künstlerische Eingriffe geradezu prädestiniert. 

Um die Einzigartigkeit der Ausstellungsräume selbst wieder stärker ins Blickfeld der Besucher zu rücken, erhielt die Kunsthalle während der Sommermonate 2014 ein Facelift der besonderen Art: Neben fleißigen Handwerkern, die unter anderem Wände rückbauten, um so die ursprüngliche Architektur wieder zur Geltung zu bringen, griff auch der für seine ortsspezifischen Arbeiten international bekannte Künstler Michael Beutler gemeinsam mit dem Architekten Etienne Descloux installativ in den Umgestaltungsakt ein. Richtungsweisend dürfte zudem der vollständige Verzicht auf künstliche Lichtquellen im Kirchenschiff sein. Stattdessen sorgt nun das Tageslicht, welches durch die von Verdunkelungsfolie befreiten Fenster je nach Jahres- und Uhrzeit mal stärker oder schwächer einfällt, für eine stetig wechselnde Raumwahrnehmung.

Initiatorin dieser außergewöhnlichen Maßnahmen ist Dr. Julia Draganović. Nach zehnjähriger Tätigkeit für verschiedene Kunstinstitutionen in den USA und Italien übernahm sie im September 2013 das Ruder vom langjährigem Leiter der Kunsthalle André Lindthorst. Als neu gewählte Präsidentin der IKT International Association of Curators of Contemporary Art brachte Draganović im April 2014 zudem den Sitz der internationalen Interessenvertretung für Kuratoren zeitgenössischer Kunst für drei Jahre in die Friedensstadt.