Seit 2014 ist die Kunsthalle Osnabrück Teil des CAPP Collaborative Arts Partnership Programme, einem Netzwerk von neun europäischen Partnern, zu denen Agora (Berlin), Create Ireland (Dublin), Hablar en Arte (Madrid), Heart of Glass (St. Helens, UK), Live Art Development Agency (London), Ludwig Museum (Budapest), M-Cult (Helsinki) und Tate Liverpool gehören. Seit März 2017 hat CAPP begonnen, während seiner Partnertreffen öffentliche Events zu organisieren, um innovative künstlerische Praktiken, die den Kern ihrer Forschung bilden, jeweils einem breiteren lokalen Publikum vorzustellen. Kunsthalle Osnabrück stellt am 7. November die dritte Präsentation dieser Reihe, die von den CAPP Partnern „Staging Posts“ genannt wird, unter dem Titel Back to Babel vor.

 

Back to Babel kreist um die Herausforderungen und Abenteuer, die mit Fragen zu Sprache und Kommunikation im Rahmen von nicht nur künstlerischen Zusammenarbeiten verbunden sind. In künstlerischen Teilhabeprozessen, in denen es ja um  Beziehungen geht, kann man Verständigung auf der Basis einer gemeinsamen gesprochenen Sprache nicht immer voraussetzen. Kommunikation erfordert ständige Aufmerksamkeit und Fleiß wie auch Empathie, Geduld, Durchhaltevermögen und Mut. Das Verhältnis zwischen Kommunikation und gesprochener Sprache bleibt ein neuralgischer Punkt nicht nur bei trans-europäischen Projekten wie CAPP, sondern auch als Ergebnis einer globalen Massenmigration, die sich zunehmend auf Alltagssituationen auswirkt.

Back to Babel wird in der Kunsthalle Osnabrück stattfinden, wo derzeit zwei Ausstellungen gezeigt werden: Die Doppelinstallation der Schweizers Felice Varini und das Ergebnis des Projektes “in & out” der CAPP-Künstlerin Roxy in the Box im Rosenplatzviertel.

 

Die CAPP-Partner und Künstler werden sich am 7. November um 10 Uhr in der Kunsthalle treffen. Für das Publikum wird die Kunsthalle Osnabrück Back to Babel um 16.00 Uhr mit folgendem Programm öffnen. Es wird darauf hingewiesen, dass für alle Veranstaltungen kein Eintritt erhoben wird. Allerdings sind die Veranstaltungen von Cibelle Cavalli Bastos und Caique Tizzi aus logistischen Gründen nur für eine begrenzte Zahl von Teilnehmern zugänglich und es bedarf einer Anmeldungsbestätigung. Bitte melden Sie sich per E-Mail bei Haunhorst(at)osnabrueck.de an und warten auf eine Teilnahmebestätigung.  mehr...

 

Liebe Freunde der Kunst und des Selfies! Haben Sie schon alle Installationen von Roxy in the Box im Rosenplatzviertel entdeckt?

Falls nicht, begleitet Sie Silke Grob gern durchs Quartier, berichtet Ihnen von ihrer Arbeit mit der Künstlerin Roxy in the Box, stellt Ihnen Joseph Beuys, Frida Kahlo und Co. vor – und zeigt natürlich auch wie ein „in & out – Selfie“ gemacht wird!

Rundgänge buchen sie unter schulte.ch@osnabrueck.de oder 0541-32 345 75.

Die Präsentation der Publikumsbeiträge „Roxy in the Box: In and Out“ werden noch bis Mitte November 2017 in der Kunsthalle gezeigt.   mehr...


 

Kuratiert von Valerie Schwindt- Kleveman und Julia Draganovic

Felice Varini bezaubert Osnabrück derzeit mit großflächigen, geometrischen Farbkompositionen, die auf die Häuserfassenden (am Marktplatz) und das Kirchenschiff der Kunsthalle appliziert sind. Das Bemühen, räumliche Situationen auf eine Fläche zu übertragen, ist so alt wie die Malerei selbst. Varini dreht die Fragestellung mit seinen Farbinstallationen um: Was passiert, wenn eine zweidimensionale geometrische Form in den realen (architektonischen) Raum gebracht wird?

Die Installation „Vier Blaue Kreise“ am Osnabrücker Marktplatz macht die Besucher seit Mitte April durch  Selbstexperimente zu Experten zentral-perspektivischer Forschung. Der in Paris lebende Künstler und seine Assistenten haben mittels Hebebühnen und Bergsteigerausrüstung im April zehn Tage lang wie in einen optischen Windkanal die blaue Intervention auf die Fassaden der Marienkirche und der umliegenden Gebäude der Marktstraße "gezeichnet". Im Mai entstanden in der Kunsthalle Osnabrück zwei weitere korrespondierende Konstruktionen im Kirchenraum der ehemaligen Dominikaner Kirche, sie tragen den Titel „Bögen und Zirkeltanz“ sowie „Trapeze und Dreiecke auf den Spitzen“. Kuratiert wurde die Ausstellung von Valérie Schwindt-Kleveman.

Während das Publikum auf dem Marktplatz – zumeist mit Kameras ausgestattet – auf der Suche nach dem idealen Standort für das „richtige Selfie“ ist, ist der Standort, an dem einst der Projektor stand, dessen Lichtstrahlen die vier Kreise auf die Fassaden warf, für Varini nur der technische Ausgangspunkt. Denn sobald die zweidimensionale Form in den Raum entlassen ist, übernimmt der wirkliche Raum die Regie. Die physische Realität der Architektur dekonstruiert und deformiert die minimalistische Grundform auf unterschiedliche Weise. Zunächst scheint es, dass der Ort die Intervention bestimmt. Doch mit der Selbstbewegung der Besucher im Stadtraum gibt es eine erneute Regieübergabe: Es zeigt sich, dass die künstlerische Intervention letztlich die Wahrnehmung des Raums bestimmt und ein Erlebnis überwältigender 3-Dimensionalität erzeugt.  

Hintergrund: Zum Konzept der Kunsthalle Osnabrück gehört es, Metaphern temporärer Gemeinschaftsbildung zu schaffen. Die geometrischen Formationen, die Felice Varini für den Marktplatz in Osnabrück und für die Kunsthalle konzipiert hat, fügen sich in die Reihe von Projekten ein, in denen Künstlerinnen und Künstler zusammen mit dem Publikum neue Gemeinschaftserfahrungen performen.

Es begann 2014 mit Michael Beutler und Etienne Descloux, die das ehemalige Kirchenschiff in ein Forum für gemeinschaftliche Kunstverfahrungen verwandelte, indem sie eine umlaufende Sitzbank mit 150 Lauflänge installierten. Die Projekte von Jorge González, IRWIN, Maria José Arjona, Ernesto Pujol und Jan Tichy schrieben dieses Konzept fort. Mit der Intervention von Felice Varini im öffentlichen Raum stellt die Kunsthalle Osnabrück einen weiteren künstlerischen Forschungsansatz zu Gemeinschaftsbildungen zur Diskussion. Für die temporäre gemeinschaftliche Aktion ist es der Kunsthalle gelungen, wichtige Vertreter der Friedenstadt (Wohnungseigentümer beider Konfessionen,  den Norddeutschen Rundfunk und die Anwohner) in einer geometrischen Konstellation zu verbinden.  Als Kooperationspartner konnten der Fachbereich Kultur der Stadt Osnabrück, die Gemeinde der evangelischen Marienkirche und die Gemeinde des Osnabrücker St. Petrus Doms gewonnen werden.  mehr...


Adresse

Kunsthalle Osnabrück

Hasemauer 1

49074 Osnabrück