Wenn das Unbehagen einen Buchtitel bekommt … Ihre Meinung ist gefragt! Ein Kooperationsprojekt von Kunsthalle Osnabrück und Stadtbibliothek Osnabrück

 

Die Kunsthalle Osnabrück eröffnet am Sonntag, den 11. Februar 2018 um 11 Uhr die Ausstellung „Symphonie eines Jahrhunderts“ mit neuesten Arbeiten des in New York lebenden Künstlers Andrea Mastrovito.

Eines der Hauptwerke der Ausstellung ist Mastrovitos Animationsfilm „NYsferatu“. Die Geschichte des Grafen Dracula, der im bekannten Film von Fritz Murnau den Namen „Nosferatu“ trägt, wird in die USA der Gegenwart verlegt, in die Zeit des 54. Präsidenten der Staaten von Amerika. Mastrovito geht der Frage nach, wovor Menschen heute Ängste haben, wie diese geschürt oder geradezu produziert werden und welche Gegenmittel zur Verfügung stehen. Der Film wird auf eine sechs Meter hohe Bücherwand im Chor des Kirchenschiffs der Kunsthalle projiziert.

Die Stadtbibliothek Osnabrück und ihre Leser/Innen stehen Pate für die Buch-Installation des Kunstprojekts. Künstlerischer Hintergrund: Zur ortsbezogenen, künstlerischen Recherche des New Yorker Künstlers gehört es, die Ängste in ihren regionalen Dimensionen zu erforschen: Wovor hat man in Osnabrück und seiner Umgebung Angst hat? Was bereitet den Osnabrücker/Innen Furcht, Sorge und Unbehagen? Was empfinden sie als Bedrohung, Bedrängnis oder gar als existenzgefährdend? Möglicherweise sind es nicht nur die Albtraumwesen aus den Gruselromanen, sondern auch komplexe Dinge bzw. Fakten und Fiktionen des Alltags, Neben der Furcht vor dem Zahnarzt, den Kriech- oder Nagetiere, der nächsten Prüfungsarbeit, dem Fliegen – ängstigen die Menschen des 21. Jahrhunderts globale Zivilisationsbedrohungen wie der Klimawandel, Luftverschmutzung, Lärm und Müll … dem Spektrum der Ängste sind keine Grenzen gesetzt. Das Kunsthallen- und Bibliotheksteam sowie der Künstler sind gespannt und freuen sich auf die in Osnabrück verdichtete Kollektion des Unbehagens.

Die Kunsthalle Osnabrück und die Stadtbibliothek Osnabrück laden ein, eine beliebige Anzahl von Büchern zu Themen, die den Leser/Innen einmal Unbehagen bereitet haben/ oder aktuell Unbehagen bereiten, an der Verbuchungstheke im ersten Stock der Stadtbibliothek am Markt 1 mit dem Stichwort „Für die Kunsthalle Osnabrück“ abzugeben.

Wie  funktioniert die Teilhabe? Mit oder ohne Bibliotheksausweis in die Stadtbibliothek gehen. Das schlechte Wetter für einen längeren Aufenthalt nutzen! Bücherauswahl treffen und an der Verbuchungstheke deponieren. Die Kunsthalle ist Leihnehmerin und übernimmt die (versicherungstechnische) Verantwortung.

Informationen zum Gesamtprojekt von Andrea Mastrovito: www.nysferatu.org


 

Felice Varini bezauberte bis November 2017 die Häuserfassenden am Osnabrücker Marktplatz mit großflächigen, geometrischen Farbkompositionen. Die Applikationen im Kirchenschiff der Kunsthalle sind noch bis zum 21. Januar 2018 zu sehen. Das Bemühen, räumliche Situationen auf eine Fläche zu übertragen, ist so alt wie die Malerei selbst. Varini dreht die Fragestellung mit seinen Farbinstallationen um: Was passiert, wenn eine zweidimensionale geometrische Form in den realen (architektonischen) Raum gebracht wird?

Die Installationen von Felice Varini machen den Besucher durch  Selbstexperimente zu Experten zentral-perspektivischer Forschung. Der in Paris lebende Künstler und seine Assistenten haben mittels Hebebühnen und Bergsteigerausrüstung im April 2017 wie in einen optischen Windkanal blaue Intervention auf die Fassaden der Marienkirche und der umliegenden Gebäude der Marktstraße "gezeichnet". Im Mai 2017 entstanden in der Kunsthalle Osnabrück zwei weitere korrespondierende Konstruktionen im Kirchenraum der ehemaligen Dominikaner Kirche, sie tragen den Titel „Bögen und Zirkeltanz“ sowie „Trapeze und Dreiecke auf den Spitzen“. Kuratiert wurde die Ausstellung von Valérie Schwindt-Kleveman und Dr. Julia Draganovic, Direktorin der Kunsthalle Osnabrück.

Während das Publikum auf dem Marktplatz – zumeist mit Kameras ausgestattet – auf der Suche nach dem idealen Standort für das „richtige Selfie“ war, war der Standort, an dem einst der Projektor stand, dessen Lichtstrahlen die vier Kreise auf die Fassaden warf, für Varini später nur der technische Ausgangspunkt. Denn sobald die zweidimensionale Form in den Raum entlassen war, übernahm der wirkliche Raum die Regie. Die physische Realität der Architektur dekonstruierte und deformierte die minimalistische Grundformen auf unterschiedliche Weise. Zunächst schien es, dass der Ort die Intervention bestimmte. Doch mit der Selbstbewegung der Besucher im Stadtraum gab es eine erneute Regieübergabe: Es zeigt sich noch bis zum 21. Januar 2018 in der Kunsthalle, dass die künstlerische Intervention letztlich die Wahrnehmung des Raums bestimmt und ein Erlebnis überwältigender 3-Dimensionalität erzeugt.   ...mehr


Adresse

Kunsthalle Osnabrück

Hasemauer 1

49074 Osnabrück