Ein Rundgang durch William Engelens Ausstellung „Heute hat die Orgel wieder schön gespielt“ lässt sich am besten mit Angeboten verbinden, die zum Selbermachen einladen:

HÖRBAR | ein Vermittlungsangebot in Referenz auf Alvin Luciers „Opera with Objects“

 

Willkommen im Paradies der Klänge, Töne, Dissonanzen und Wohlgeräusche!

 

Zur aktuellen Ausstellung von William Engelen mit dem Titel „Heute hat die Orgel wieder schön gespielt“ steht das Vermittlungsprogramm ganz im Zeichen der Klang- und Tonerzeugung und stellt dabei die HÖRBAR vor – einen Raum für das eigene, akustische Experiment!

Die Abteilung der Vermittlung der Kunsthalle möchte sowohl die Konzeptkunst als auch die Neue Musik, deren Sprachen und Vokabularien, ihre Gesten, ihre Materialien, ihre Aussagen und Anliegen begreiflich machen und sich dabei auf Grundlegendes konzentrieren: auf das Öffnen von Ohren, auf die Bewusstmachung von Geräuschen und Klängen, die den Alltag bestimmen und doch „Musik“ sein können. Neben der HÖRBAR haben wir weitere Workshops und Programme zusammengestellt, die auf eine Erweiterung des Kunst- und Musikbegriffs in Richtung des Alltäglichen und Geräuschhaften zielen. Die unmittelbare „Musizierlust“ soll dabei ebenso gefördert werden wie das experimentelle, gestische Erleben des Klanglichen.

 

Vorhang auf für die HÖRBAR!

Auf einem langen Tisch werden unterschiedliche Alltagsgegenstände arrangiert und zugleich zahlreiche Bleistifte angeboten. Frei nach Alvin Luciers „Opera with Objects“, einer Performance-Übung aus den 90er-Jahren und Lieblingsreferenz von William Engelen, gilt es, zwei Bleistifte in die Hände zu nehmen und mittels kleiner Schläge, einem selbstbestimmten Rhythmus folgend, die Dinge akustisch „abzutasten“. Ein oder mehrere Interpreten tippen auf ein Objekt und erzeugen so Änderungen in der Klangfarbe und in der Lautstärke. Dieses Experiment untersucht die Resonanzeigenschaften von Alltagsgegenständen. Der Ton des Klopfens kann allerdings sehr unterschiedlich und manchmal sogar sehr erstaunlich sein. Eine der großen Überraschungen in der Vorbereitung der HÖRBAR war eine sehr kleine Streichholzschachtel, die sich als einer der lautesten Verstärker herausstellte und ohne weiteres die „Hauptstimme“ in dieser Oper mit (gewöhnlichen) Objekten hätte übernehmen können…

Die HÖRBAR ist zu den Öffnungszeiten der Kunsthalle Osnabrück geöffnet und steht neben Schulklassen und anderen Lerngruppen jedem Besucher als Experimentalraum offen. Eine Begegnung unterschiedlicher Publika ist daher nicht nur sehr wahrscheinlich sondern sogar gewünscht – ein Klang-Ton-Geräusch-Experiment darf sich selbstverständlich vielstimmig entwickeln und hörbar werden.

 

Hier finden Sie ein Tutorial-Video, dessen Skript die Künstlerin Manila Bartnik entwickelte und realisierte, und das zeigt, wie die HÖRBAR funktioniert. Gemeinschaftlich oder alleine – die HÖRBAR ist eine Einladung zur Ton- und Klangerzeugung in ganz unterschiedlichen, selbst komponierten Settings und Szenarien.

 

 

 

Und außerdem haben wir zwei Angebote ausgesucht, mit denen man Versuche zur Tonerzeugung machen kann. Denn ob der stärkste Ton, den die eigene Stimme zu erzeugen imstande ist oder ob ein Wasserkonzert mit „Tropftönen“, das ganz viel Stille und Konzentration erforderlich macht - diesmal dreht sich alles um das Herstellen von Tönen.

Am besten versucht man sich übrigens im Team – denn die beiden Klang - Forschungsstationen sind dem Vermittlungsprojekt PLAYING UP von Sibylle Peters entlehnt, in dem sich meistens Erwachsene, Teens, Kinder und gaaaanz Kleine gemeinsam ins Performance-Abenteuer „Klang“ begeben.

 

1

George Brecht

Drip Music/ Tropfenmusik  (1962)

 

Was haben Performance Kunst und Musik gemeinsam? Genau, sie sind vergänglich. Und zudem haben bildende Künstler schon früh alles Mögliche „ein Konzert“ genannt. Dafür haben sie manchmal mit Getöse ein Klavier zerstört. Oder sie haben gleich gar nicht auf Ihren Instrumenten gespielt und gemeinsam mit dem Publikum „nur“ genau allen anderen Geräuschen im Raum zugehört, Nase schnauben inklusive…

Der Künstler George Brecht hat die Tropfenmusik erfunden. Dabei stand er auf einer Leiter und hat mit ernster Miene Wasser aus einer Kanne in ein Gefäß geschüttet.

Auf geht‘s, selber ausprobieren! Schütten, gießen, wringen, tröpfeln, alles ist erlaubt. Psst - das Lauschen nicht vergessen!

 

Angebot für alle Altersstufen

Termine: nach Ihren/Euren Wünschen, bitte telefonisch anmelden!

Dauer: 2,5 Stunden. 60€ inklusive Material.

 

 

2

Marina Abramović

Freeing the Voice / Die Stimme befreien (1976)

 

Wann habt ihr das letzte Mal so laut geschrien, wie ihr könnt? Das ist bestimmt schon eine Weile her!? Meist hört man ja mit dem Schreien auf, wenn man kein Baby mehr ist... später lernt man, seine Stimme zu kontrollieren, bis schließlich gut zu entscheiden ist, was man wann und wie sagen möchte. Dabei ist eine Kontrolle schon deshalb wichtig, weil die individuelle Stimme viel von uns verrät, auch ohne Worte... In ihrer Performance Freeing the Voice hat die Künstlerin versucht, ihre Stimme viel unkontrollierter als sonst zu verwenden. Sie legte sich einfach auf den Boden und schrie solange sie konnte.

Lust auf ein Reenactment? Ist ganz einfach: stellt den Wecker auf 5 Minuten ein. Legt Euch auf eine der ausgebreiteten Yogamatten. Und nun schreit. Hört erst auf, wenn der Wecker klingelt.

für alle Altersstufen

Termine: nach Ihren/Euren Wünschen, bitte telefonisch anmelden!

Dauer: 2 Stunden. 60€ inklusive Material.